Handlungsfeld Nachhaltigkeit
Dieses Projekt leistet in den folgenden Handlungsfeldern einen Beitrag zur Nachhaltigkeit:

Beitrag des Projekts zum Thema „Ressourcen und Zirkularität“
Die Entwicklung erfolgt auf einem bestehenden Industrieareal und stärkt die Innenentwicklung, indem zusätzliche Flächeninanspruchnahme vermieden wird. Durch gezielte Teilentsiegelung werden natürliche Bodenfunktionen reaktiviert und neue qualitativ hochwertige Freiräume geschaffen.
Die Planung folgt einem konsequent zirkulären Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus der Baustoffe berücksichtigt. Materialien werden nach Kriterien wie Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit ausgewählt und so integriert, dass sie in bestehende Stoffkreisläufe rückführbar bleiben. Die angestrebte DGNB-Platin-Zertifizierung gewährleistet den Einsatz schadstoffarmer und nachhaltiger Baustoffe.
Ergänzend werden Dach- und Fassadenbegrünungen als multifunktionale Elemente umgesetzt, die ökologische und klimatische Effekte unterstützen. Für die Beschaffung wird ein regionaler Radius von unter 250 km angestrebt (Ziel: ca. 80 Masse-%), um Transportaufwand zu reduzieren und regionale Wertschöpfung zu stärken

Beitrag des Projekts zum Thema „Klimaschutz“
Das Projekt „NEULAND Neuss“ reduziert Treibhausgasemissionen durch einen quartiersbezogenen Systemansatz, der Energieversorgung, Mobilität, Flächennutzung und Materialeinsatz miteinander verknüpft. Grundlage ist eine konsequente Lebenszyklusbetrachtung mit dem Ziel, für die Hochbauten eine CO₂-Bilanz von unter 375 kg CO₂e/m² NRF (Module A1–A3) zu erreichen. Dies wird durch emissionsarme Baustoffe, zirkuläre Materialstrategien sowie reduzierte Transportdistanzen unter-stützt.
Die Energieversorgung ist auf einen klimaneutralen Betrieb ausgelegt und als quartiersweite Infrastruktur organisiert. Durch die Bündelung von Erzeugung und Nutzung werden Lastspitzen reduziert, Synergien zwischen unterschiedlichen Nutzungen genutzt und der Primärenergiebedarf gesenkt. Gleichzeitig werden Umwandlungs- und Verteilverluste minimiert, was die Gesamteffizienz des Systems erhöht.
Die Reaktivierung des bestehenden Industriestandorts vermeidet zusätzliche Flächenversiegelung und reduziert damit indirekte Emissionen aus Neubauentwicklungen. Ergänzend entsteht mit der „Grünen Furth“ ein zusammenhängendes Freiraumsystem mit Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Versickerungsflächen. Diese erhöhen die Verdunstungsleistung, reduzieren Temperaturspitzen und verbessern den Regenwasserrückhalt. Damit werden sowohl direkte klimaökologische Effekte als auch Anpassungsmaßnahmen an klimatische Belastungen umgesetzt.
Zur Reduktion verkehrsbedingter Emissionen wird der motorisierte Individualverkehr systematisch reduziert. Das Mobilitätskonzept integriert Radverkehrsinfrastruktur, Sharing-Angebote und eine begrenzte Stellplatzorganisation. Dadurch werden Verkehrsverlagerungen hin zu emissionsärmeren Verkehrsformen erreicht.
Die Maßnahmen wirken sowohl auf die Herstellungsphase als auch auf den Betrieb und die Nutzung des Quartiers. Entscheidend ist die Verknüpfung der Einzelmaßnahmen zu einem integrierten System, das Emissionen über den gesamten Lebenszyklus reduziert und auf Quartiersebene bilanziell wirksam wird.

Beitrag des Projekts zum Thema „Komfort und Gesundheit“
Die Planung berücksichtigt Tageslicht, bau- und raumakustischen Komfort sowie Innenraumluftqualität systematisch. Gebäudeausrichtung und Freiraumstruktur unterstützen gute Belichtung, während akustische Maßnahmen die Aufenthaltsqualität sichern.
Für die Innenraumluftqualität werden emissionsarme Baustoffe eingesetzt. Nach Fertigstellung erfolgen Messungen mit Zielwerten von TVOC ≤ 1000 µg/m³ und Formaldehyd ≤ 60 µg/m³.
Die „Grüne Furth“‘ sowie Dach- und Fassadenbegrünungen verbessern das Mikroklima, reduzieren Hitzeeinträge und schaffen nutzbare Aufenthaltsbereiche.
Beteiligungsprozesse mit Nutzergruppen und Stadtgesellschaft fließen in Mobilität, Freiraum und Nutzung ein. Digitale Anwendungen stellen Informationen zu Energie, Mobilität und Quartiersservices bereit und unterstützen ein angepasstes Nutzerverhalten.

Beitrag des Projekts zum Thema „Energie“
Die Energieversorgung erfolgt über ein quartiersweites, vernetztes System auf Basis oberflächennaher Geothermie. Die gewonnene Energie wird über ein kaltes Nahwärmenetz verteilt und in den Gebäuden mittels Sole-Wasser-Wärmepumpen in Heiz- und Kühlenergie umgewandelt.
Das System ermöglicht sowohl eine regenerative Wärmeversorgung als auch eine passive Kühlung in den Sommermonaten. Durch geringe Temperaturdifferenzen im Netz werden Verteilverluste minimiert, gleichzeitig bleibt das System flexibel und skalierbar für zukünftige Anpassungen.
Die Energieerzeugung erfolgt dezentral auf Gebäudeebene, während die Primärenergiequelle gemeinschaftlich genutzt wird. Ergänzend werden Photovoltaikanlagen eingesetzt, um den elektrischen Energiebedarf der Wärmepumpen und der Quartiersinfrastruktur anteilig zu decken und die CO₂-Emissionen im Betrieb weiter zu reduzieren.
Beitrag des Projekts zum Thema „kostenoptimiertes Planen und Bauen“
Die wirtschaftliche Planung basiert auf Lebenszykluskostenanalysen, Restwertbetrachtungen und CO₂-Schattenpreisen. Diese Instrumente werden frühzeitig in den Planungsprozess integriert und steuern die Bewertung von Investitions-, Betriebs- und Rückbaukosten über den gesamten Lebenszyklus.
Material- und Systementscheidungen werden damit nicht ausschließlich nach Herstellungskosten getroffen, sondern unter Berücksichtigung von Instandhaltung, Betrieb und Wiederverwertung gezielt optimiert. Ergänzend werden erweiterte Betriebskostenprognosen erstellt, um die langfristige Wirtschaftlichkeit des Quartiers belastbar abzubilden.
Ein Monitoringkonzept erfasst kontinuierlich Energieverbräuche und Systemleistungen im Betrieb. Die daraus gewonnenen Daten dienen der aktiven Steuerung und Optimierung der Betriebsstrategien und sichern eine dauerhafte Reduktion von Kosten und Emissionen.
Prozessinnovationen:
Die Planung von NEULAND Neuss erfolgt als integrativer, sektorübergreifender Prozess, in dem Energieversorgung, Mobilität, Freiraum, Nutzung und Materialstrategien systematisch miteinander verknüpft werden. Entscheidungen werden iterativ auf Basis von Lebenszyklusanalysen, CO₂-Bewertungen und funktionalen Anforderungen getroffen und fortlaufend angepasst. Eine zentrale Innovation liegt im Wechsel vom gebäude- zum quartiersbezogenen Ansatz. Energie-, Mobilitäts- und Freiraumsysteme werden als gekoppelte Infrastrukturen entwickelt. Dadurch werden Synergien zwischen Nutzungen nutzbar gemacht, Lastspitzen reduziert und Ressourcen auf Systemebene effizienter eingesetzt. Im Bereich Klimaschutz werden CO₂-Zielwerte (< 375 kg CO₂e/m² NRF) und Lebenszyklusbewertungen als verbindliche Planungsparameter integriert. Gleichzeitig wird im Bereich Ressourcen der gesamte Baustoffkreislauf berücksichtigt, von der Auswahl recyclingfähiger Materialien bis zur Rückbaubarkeit. Für die Energieversorgung wird ein quartiersweites, skalierbares System entwickelt, das Erzeugung, Verteilung und Nutzung gemeinsam betrachtet und langfristige Anpassungen ermöglicht. Digitale Werkzeuge unterstützen Planung und Betrieb. Monitoring-Systeme erfassen Energie- und Betriebsdaten und ermöglichen eine laufende Optimierung. Ergänzend stellen Anwendungen Informationen zu Energieverbräuchen, Mobilität und Quartiersfunktionen bereit und fördern eine angepasste Nutzung. Wirtschaftliche Entscheidungen werden über Lebenszykluskosten, Restwerte und CO₂-Schattenpreise getroffen und berücksichtigen die Gesamtwirkung über die Nutzungsdauer. Die Einbindung von Nutzergruppen und relevanten Akteuren ist Bestandteil des Prozesses. Rückmeldungen fließen in Mobilität, Freiraum und Nutzungskonzeption ein. Der Innovationsgehalt liegt in der Verknüpfung dieser Aspekte zu einem durchgängigen Planungs- und Betriebssystem, das technische, ökologische und funktionale Anforderungen auf Quartiersebene integriert.
Herausforderungen des Projektes:
Die Umsetzung erforderte die Transformation eines industriell vorbelasteten Standorts mit umfassenden Bodenanalysen, Schadstoffbewertungen sowie der Integration von Entsiegelungs- und Revitalisierungsmaßnahmen in die Planung. Gleichzeitig mussten zahlreiche Anforderungen – darunter DGNB Kriterien, KlimaQuartier.NRW Standards, CO₂-Zielwerte (A1–A3) sowie Energie- und Mobilitätskonzepte – frühzeitig miteinander verknüpft und technisch wie wirtschaftlich abgestimmt werden.
Die Umsetzung zirkulärer Ansätze stellte zusätzliche Anforderungen an Materialwahl, Dokumentation und Lieferketten. Insbesondere die Sicherstellung regionaler Beschaffung (< 250 km) und der Einsatz recyclingfähiger Bauprodukte erforderten enge Abstimmungen mit Herstellern und Ausführenden.
Parallel dazu mussten klimaaktive Freiraumstrukturen, Begrünungskonzepte und Mobilitätsangebote koordiniert werden. Die daraus resultierende Komplexität erhöhte den Planungsaufwand deutlich, bildete jedoch die Grundlage für die integrale Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele.